KAPITEL -1-
Ein tiefes Stöhnen durchschnitt die Stille der Halle, erfüllte den Raum. Es kroch unter die Haut und ließ die Steine erzittern, als würden sie aus einem jahrtausendealten Schlaf gerissen. Die Halle bebte mit einem schmerzhaften Dröhnen, zusammengedrückt von einer unsichtbaren Kraft.
Das blaue Leuchten der lemurianischen Kristalle flammte auf und hüllte Timothys Körper in einen Käfig aus Licht. Er saß reglos auf der Granitscheibe im Zentrum der Halle, sein Gesicht verzogen, die Haut wie Pergament über seinen Knochen gespannt. Ein Sturm brodelte unter der Oberfläche – eine Energie, die Planeten spalten konnte, doch in diesem Moment spürte er sie nur als erdrückende Last, die ihn gegen den Stein presste.
Im Nest, der lemurianischen Basis, verborgen unter den Schichten der bekannten Realität, flüsterten Technologien Geheimnisse in einer Sprache, die nur Eingeweihte verstanden. Die alten, mit Symbolen bedeckten Wände pulsierten im Einklang mit der Energie in Timothy und bildeten einen Schutzmantel aus vibrierendem Licht. Nur ein niederfrequentes Brummen durchbrach die unheilvolle Stille, eine Erinnerung an die Kraft, die in diesem Jungen schlummerte wie ein gefangenes Tier. Der Geruch von Ozon, vermischt mit ätherischen Ölen, kitzelte seine Nase und kündigte einen Sturm an, einen energetischen Apokalypse – den Kuss eines Halbgottes.
Sinan und Slav standen daneben, wie Wachen vor den Toren der Hölle. Auf Sinans Gesicht spiegelte sich seine Sorge, seine Brauen waren zu einer schmerzverzerrten Grimasse zusammengezogen, seine Haut blass. Normalerweise stand er felsenfest, das Kind der Wüste, das den Assassinenorden gedient hatte und keine Angst kannte – doch jetzt konnte er seinen Blick nicht von Timothy abwenden, als erwartete er jeden Moment dessen Zusammenbruch.
Slav, der Jüngere und Nervösere, verlagerte sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen wie ein Raubtier im Käfig, seine Anspannung mit jedem Muskelzucken verratend. Er starrte auf Timothys zuckenden Körper und schluckte hörbar.
Sinan stoppte ihn mit einer abrupten Geste und packte seinen Arm.
„Leise“, sagte er mit fester Stimme, doch in seinen Augen blitzte kurz versteckte Angst auf. „Bleib am Rand. Du willst ihn nicht aus dem Gleichgewicht bringen, oder?“
Die Energie um Timothy wurde dichter, umschloss ihn wie ein klebriger Griff. Er versuchte erneut, eine Verbindung zum Panarchon herzustellen – dem kollektiven Bewusstsein der früheren Archonten, um deren Erinnerungen zu erreichen. Doch all dies brachte ihn nur an eine unsichtbare Wand, die zwischen ihm und seinem Ziel stand. Er schlug dagegen, kratzte und drückte, doch seine Bemühungen waren vergeblich – wie ein Versuch, Eis mit bloßen Händen zu durchbrechen, bis das Blut zwischen den Fingern herausrann. Seine Zähne waren schmerzhaft zusammengebissen, Schweiß tropfte von seinen Schläfen.
Slav biss sich auf die Lippe und warf einen Blick auf Timothys verzerrtes Gesicht. Seine Finger trommelten nervös gegen den Griff seines Dolches.
„Das… das dauert zu lange“, murmelte er, mehr zu sich selbst als zu Sinan.
Sinan riss seine Augen nicht von Timothy los.
„Zusammenreißen, Krieger. Jetzt ist nicht die Zeit für Zweifel.“ Er nagte an seiner Wange und versuchte, seine eigene Unruhe zu unterdrücken, wie ein Kapitän, der einen Sturm kommen sieht. Er wollte helfen, die Hand ausstrecken, doch er wusste, dass Eingreifen fatal wäre.
Timothy sank tiefer in sich selbst. Die Welt um ihn verschwamm, ersetzt durch einen chaotischen Tanz aus Licht und Schatten, wie Fragmente eines Albtraums. Jede Zelle seines Körpers vibrierte, gefüllt mit Energie, die bis zum Zerreißen gespannt war. Vor ihm erhob sich eine Wand aus Feuer und Dunkelheit, pulsierend mit einer Energie, die ihn zu verbrennen drohte, ihn zu nichts zu machen. Er wusste, er musste diese Barriere überwinden, die ihn vom Panarchon trennte. Er brauchte Antworten wie ein Durstiger Wasser.
Timothy stieß ein unverständliches Flüstern aus. Sein Körper zuckte in Krämpfen.
Slav machte einen Schritt nach vorn, bereit einzugreifen.
„Archont!“, rief er unwillkürlich. Er wollte ihm etwas von seiner eigenen Kraft geben – doch was konnte er tun, außer ihm seinen Glauben zu zeigen? „Du bist der Archont! Du schaffst das!“
Sinan packte seinen Arm und hielt ihn zurück. Er sprach langsam und klar und verlieh seinen Worten all die Kraft, die er aufbringen konnte.
„Archont, Timothy, konzentrier dich auf unsere Stimmen. Komm zurück zu uns. Lass dich nicht verschlingen. Erinnere dich, wer du bist. Du bist Timothy, der Archont – kein Schatten!“
Timothy spürte, wie sich die Ka'ra-Energie in ihm erhob wie ein uraltes Tier, gerufen aus dem Schlaf. Mit letzter Kraft sammelte er all die Energie, die er kontrollieren konnte, und schleuderte sie gegen die Wand. Ein letzter Versuch. Die Barriere barst mit einem Donnerschlag, zerbröselte wie Glas. Sein Bewusstsein schoss nach vorn, jenseits der Wand, und tauchte in einen wilden Strom chaotischer Visionen ein.
Lichter. Schatten. Geräusche. Empfindungen. Alles kollidierte in seinem Bewusstsein, ein explosives Farben- und Formengewitter. Für einen Moment verlor er jedes Gefühl dafür, wo sein eigenes Bewusstsein endete und der Ozean der Informationen begann. Die Visionen wirbelten um ihn, saugten ihn tiefer hinein. Er fühlte sich verloren, als würde er in Atome zerfallen. Der Geruch von verbranntem Fleisch und Ozon füllte seine Nase, ein fremder Albtraum. Der metallisch-süße Geschmack von Blut breitete sich auf seiner Zunge aus.
Die Visionen verschlangen ihn, nahmen ihm Stück für Stück. Es fühl sich an wie Auflösung, als würde jede Zelle seines Körpers in unzählige winzige Fragmente zerfallen, verstreut in die grenzenlose Leere. Erst als er körperlos war, ohne Empfindungen in dem Nebel, der sein Bewusstsein umhüllte, erreichte er, wonach er gesucht hatte. Die Ghon – Wesen aus Energie und verdrehter Materie, Dämonen, die das Gewebe der Realität veränderten. Welten, zu Asche geworden. Zivilisationen, aus dem Universum getilgt. Er sah die Verzweiflung in den Augen der Sterbenden, hörte die Schreie der Verdammten, die in seinem Geist hallten.
Erweitere deinen Horizont. Er versuchte, etwas Stabileres zu finden. Jede neue Vision brachte eine Welle fremder Emotionen – uralter Zorn, kosmische Ambition, Machtgier. Er kämpfte darum, sich selbst zu bewahren, klammerte sich an die Erinnerung seiner Identität.
Die Energieströme um ihn wirbelten wie ein irrer Geistertanz. In diesem Moment erkannte er: Das war nicht bloß Information. Es waren lebendige Erinnerungen, eingebrannt in das kollektive Bewusstsein der Archonten – Narben ihrer Seelen. Erinnerungen an Schlachten, Verluste und erbarmungslosen Krieg, Echos von Albträumen. Erinnerungen an Verrat und Opfer, verstärkt durch Schmerz und Reue.
„Ich… ich kann nicht…“, flüsterte Timothy. Seine Stimme bebte. Sein Körper zitterte. Die Granitscheibe, auf der er saß, vibrierte. Fast unsichtbare Staubkaskaden rieselten aus den Fugen des jahrtausendealten Mauerwerks.
„Archont, folge meiner Stimme“, rief Sinan und trat näher an den Stein heran, der einige Handbreit über dem Boden schwebte. „Das ist nicht deine Realität! Du bist Timothy! Du bist der Archont! Gib nicht auf!“
Timothy versuchte, seinen Blick auf den Mann vor ihm zu richten, doch die Visionen überwältigten ihn weiter. Er spürte Sinans vertraute Präsenz und nutzte sie als Leuchtfeuer. Archont, folge meiner Stimme…, hörte er Sinans Gebet. Mit verzweifelter Konzentration richtete er sich an der Stimme seines treuen Wächters aus – seinem Begleiter durch die Wirren, vielleicht sogar Freund –, an der Wärme seiner Hände, am Gefühl des harten Granits unter sich. Langsam, quälend langsam, kehrte er in die Realität zurück, wie ein Mensch, der aus einem tiefen, schweren Traum erwacht.
„Die Ghon…“, keuchte Timothy und krallte sich am Granit fest. „Schlimmer… als alles, was ich mir vorgestellt habe. Nicht Zerstörung… Verwandlung. Ein Albtraum… von innen. Wie Krebs…“
Sinan und Slav wechselten einen wortlosen Blick. Sinan presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. Seine scharfen Vampirzähne durchbohrten die zarte Haut, ein Blutstropfen rann ihm übers Kinn.
Slav zitterte und griff nach Sinans Schulter.
„Was… was war das?“
Sinan starrte Timothy weiter an, sein Gesicht eine Maske.
„Archont? Was willst du uns sagen?“
Timothy sackte auf den Boden, atmete schwer. Ein Heiser durchdrang die Halle, schrill und schmerzerfüllt.
„Die Ghon…“, entglitt es ihm, unwillkürlich. „Welten…“ Er schloss die Augen, presste die Handflächen gegen die Schläfen, als könnte er den Albtram wegdrücken. „Sie… verschwinden nicht. Sie… verändern sich.“ Seine Hand zitterte, als er sie nach Sinan ausstreckte, die Finger verkrampft. „Die Xilarianer… sind Spielzeuge. Ich habe gesehen…“ Er erstickte an den Worten.
Sinans Gesicht erbleichte, doch füllte sich mit Entschlossenheit. Seine Rechte umklammerte den Dolchgriff, bis die Knöchel weiß wurden.
„Dann bereiten wir uns vor. Wir lassen uns nicht überraschen.“
Slav versuchte zu lächeln, doch es wurde schief und unsicher.
„Also… stürzen wir uns einfach… hinein?“ Er räusperte sich. „Wie… Lämmer? Gegen…“ Seine Hand deutete auf Timothy. „…diese Ghon? Irgendein… Plan?“
Timothy spürte, wie sich etwas Last von seinen Schultern hob. Die Visionen der Ghon verfolgten ihn noch. Er sah Sinan und Slav mit klarerem Blick und fragte sich, ob sie wirklich bereit waren für den Krieg, der das Schicksal des Universums bestimmte.
KAPITEL -2-
Thalias Hand erstarrte in der Luft, nur Zentimeter von der Tür zu Sebastians Büro entfernt. Das kalte, polierte Metall unter ihren Fingern erinnerte sie an die Technologie, die die Lemurianer einst verworfen hatten und die nun unweigerlich mit ihrem Leben verwoben war. Sollte sie klopfen? Oder sich umdrehen, den Vampir im Ungewissen lassen, ihn in seiner eigenen kalten Ungeduld schmoren lassen? Ihre Hand zuckte, Zögern spiegelte sich in ihrem Gesicht.
Statt einfach einzutreten, wie sie es früher getan hätte, wählte Thalia eine andere Taktik. Sie berührte die Tür leicht mit ihren Fingerknöcheln – ein kaum hörbares Klopfen, sie musste Timothys Entscheidung für die Rolle des Vampirs respektieren. Dann überschritt sie die Schwelle, als betrete sie die Höhle eines Raubtiers.
„Sebastian“, ihre Stimme war gleichmütig, kontrolliert, „ich hoffe, es ist wirklich wichtig. Meine Zeit ist kostbar, das weißt du.“
Sebastian saß hinter seinem massiven Mahagonischreibtisch, die Finger vor ihm verschränkt wie die Pranken eines Raubtiers. Seine Augen, scharf wie Rasiermesser, durchbohrten sie. Der Raum strahlte einen kalten Glanz aus – polierter Marmor, Stahl und ein kaum wahrnehmbarer Hauch von Aftershave, wie die Vorahnung eines Sturms, der noch nicht ausgebrochen war.
„Thalia, du bist immer so beschäftigt.“ Seine Lippen verzogen sich zu einem kaum merklichen Lächeln, dünn und scharf wie eine Eiskannte. „Ich fühle mich fast schuldig, dich von deinen wichtigen Aufgaben abzuhalten... der Begleitung des Archonten.“
Thalias Gesichtsausdruck blieb unverändert. Ihr Blick blieb in seinem verankert.
„Timothy verlässt sich auf mich, Sebastian. Er steht kurz davor, die volle Last des Archontenmantels zu übernehmen. Ich kann ihn in diesem Moment nicht im Stich lassen.“
Das bläuliche Licht des Hologramms spiegelte sich in Sebastians Augen und verwandelte sie in eisige Seen. Thalia erkannte die Karte des Sonnensystems und spürte am Rande ihres Bewusstseins die Anspannung, die der Vampir ausstrahlte – fast greifbar. Die roten Punkte, die Xilarianer-Schiffe markierten, umzingelten bedrohlich die inneren Planeten.
„Bei Saturn ist es voll. Wir haben bereits Tausende ihrer Schiffe dort – alle möglichen Klassen. In nur wenigen Tagen... hat sich die Situation drastisch verschlechtert.“
Thalia trat näher an das Hologramm heran, ohne ihren Blick von Sebastian zu wenden. Sie spürte die Spannung zwischen ihnen – wie ein blanker Draht, bereit, einen Funken zu schlagen. Obwohl die Bewegungen des Vampirs gemessen und elegant waren, spürte sie eine Nervosität in ihnen. Sebastian verbarg etwas, sie spürte es in ihren Knochen.
„Interessant... Ich dachte, wir hätten ihre Zahlen bereits besprochen. Es sei denn, ich habe etwas übersehen?“
Sebastian seufzte leicht, als ergäbe er sich dem Unvermeidlichen. Seine Schultern sackten leicht ab und verrieten Müdigkeit.
„Arya hat sich vor einer Stunde bei mir gemeldet.“ Er winkte ab und änderte das Bild des Hologramms. „Wir haben Informationen über eine Bedrohung... eine unmittelbarere.“
Thalia starrte auf das veränderte Bild – die Erdoberfläche. Einige rote Punkte pulsierten darauf wie ein unheilvolles Muster.
„Xilarianische Militärbasen“, erklärte Sebastian. „Kannst du dir das vorstellen? Vollautomatisiert. Geschützt von künstlicher Intelligenz.“
Thalia spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. Diese Information war schockierend, aber nicht das beunruhigte sie, sondern die gedämpfte Aufregung, die sie bei Sebastian spürte – wie bei einem Raubtier, das Blut gewittert hat.
„Irgendwelche konkreten Aktionen von ihrer Seite?“
„Nein.“
„Und was schlägst du vor? Sollen wir sie zerstören? Ich sehe nicht viele andere Optionen.“
„Nein, Thalia.“ Sebastian lächelte leicht nach einer kurzen, aber dramatischen Pause. „Denk größer. Diese Basen...“ Sein Blick sprang für einen Moment zu den Markierungen auf dem Bildschirm und kehrte dann zu Thalia zurück. „...sind eine Gelegenheit.“
„Und das Risiko, sie zu aktivieren und noch größere Probleme zu bekommen?“ Thalia trat näher an ihn heran, betrat seinen persönlichen Raum. Der Geruch von Metall und altem Blut wurde stärker und erinnerte sie an das Wesen des Vampirs, an den Abgrund, der hinter seiner Maske lauerte. „Oder hast du eine andere Idee? Etwas, das du nicht mit mir teilst?“
Sebastian schwieg einen Moment, dann lächelte er langsam und zeigte seine scharfen Zähne. Das Lächeln eines Raubtiers.
„Ich habe eine Idee.“ Sebastian grinste, seine Zähne blitzten im schwachen Licht. „Und sie hat mit etwas zu tun, das nur du und deine Leute handhaben können.“
Thalias Augen weiteten sich. Ihr Herz schlug schneller, als sie bemerkte, wie Sebastian sich fast unschuldig die Lippen leckte.
„Worauf willst du hinaus?“
„Eure alten KI-Systeme.“
„Unsere KI-Systeme?“ Thalias Stimme war leise, fast ungläubig. „Sebastian... du kennst sie nicht. Weißt du, was für ein Risiko das ist?“
„Vielleicht. Aber sie scheinen mir eine gute Möglichkeit zu sein. Ich habe in den Archiven gelesen, dass die Xilarianer vor Jahrtausenden ähnliche Verteidigungen verwendeten. Nur lemurianische KI kann sie überwinden.“
„Und natürlich bin ich die Einzige, die diese Aufgabe bewältigen kann? Wie praktisch, Sebastian.“
„Nimm es nicht persönlich, Thalia.“ Er trat näher, seine Ausstrahlung war wie Wärme, aber Thalia wusste, dass dies nur Oberfläche war, eine schöne Maske, die das Raubtier verbarg. „Arya ist mit anderen Aufgaben beschäftigt. Und du bist die andere mir bekannte Option... du bist die Beste für diesen Job, meine Liebe.“
„Und Timothy? Soll ich ihn in diesem Moment allein lassen?“
„Timothy ist kein Kind. Er ist stark, du musst ihn loslassen. Das wird ihm helfen. Andererseits, was wir in diesen Basen finden könnten...“ Sebastian verstummte und ließ seine Worte wie Gift in der Luft hängen.
Thalia drehte sich abrupt um und versuchte, ihre Verärgerung zu beherrschen. Sebastian wusste immer, wie er sie provozieren, ihre verletzlichsten Punkte berühren konnte.
„General Craven hat bereits ein Bataillon vorbereitet, das unter deinem Kommando stehen wird“, fügte er beiläufig hinzu. „Eliteeinheiten der GMA. Eine gemischte Truppe – Menschen und Vampire.“
Thalia erstarrte. Sie drehte sich langsam um, ihre grünen Augen verengten sich, während sie ihn musterte.
„Du hast das alles im Voraus geplant. Stimmt's? Du hast nur auf den richtigen Moment gewartet, um mich unter Druck zu setzen.“
„Was erwartest du? Der Krieg wartet nicht.“ Er zuckte mit den Schultern und fuhr fort. „Du wirst vollen Zugang zu den Ressourcen der GMA haben. Was immer du brauchst – es gehört dir.“
Thalia spürte, wie sich ihr Zorn mit widerwilliger Bewunderung für die Art und Weise mischte, wie Sebastian seine Falle gestellt hatte. Er wusste genau, was er tat – er bot ihr Macht, Autonomie und die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten einzusetzen. Und das Schlimmste war, dass sie begann, die Logik in seinen Argumenten zu sehen.
„Gut“, strich sie sich mit den Fingern durch ihr schwarzes Haar und lockerte es leicht. „Aber ich habe Bedingungen.“
Sebastian lehnte sich an seinen Schreibtisch und verschränkte die Arme. Er wartete.
„Ich höre.“
„Voller Zugang zu den Geheimdienstinformationen. Alles, was du über die Basen hast.“ Sie hob die Hand und unterbrach seinen Versuch zu widersprechen. „Und absolute Autonomie im Kommando. Keine Einmischung von dir oder Craven.“
„Natürlich“, nickte er etwas zu schnell. In seinen Augen blitzte etwas auf. Etwas Triumphierendes.
Thalia bemerkte das leichte Zucken in seinem Mundwinkel – diese kaum wahrnehmbare Spur von Selbstgefälligkeit, die er nicht verbergen konnte. Ihr Magen verkrampfte sich.
Sie trat näher an ihn heran, ihre telepathischen Sinne spannten sich an, um auch die kleinste Spur von Täuschung zu erspüren. Aber wie immer war Sebastians Geist wie eine polierte Wand – undurchdringlich, kalt und unzugänglich.
„Wenn das eine Falle ist, Sebastian“, ihre Stimme sank zu einem Flüstern, kalt wie ein arktischer Wind, „wirst du bereuen, mich unterschätzt zu haben. Vielleicht ist es an der Zeit, dir zu zeigen, warum man sich nicht mit einer Lemurianerin anlegen sollte.“
„Oh, meine Liebe, ich erinnere mich noch an unsere erste Begegnung vor Jahrhunderten.“ Seine Lippen verzogen sich zu seinem charakteristischen Halblächeln – gleichzeitig charmant und bedrohlich. In seinen Augen blitzte etwas auf, das sie nicht einordnen konnte – vielleicht Spott, vielleicht Erwartung. „Ich würde es nicht wagen.“
Thalia wartete, und er starrte sie weiter an, musterte sie. Eine leichte Angst kroch in ihr Herz – nicht vor Sebastian, sondern vor dem, was sie werden könnte, wenn sie sich benutzen ließ.
\ \ \*
„Die Luft im Kontrollraum des Nestes flimmerte – nicht von der geisterhaften Energie lemurianischer Maschinen, sondern von der Spannung, die Thalia wie eine unsichtbare, doch greifbare Last trug. Sie drückte auf ihre Schultern, schnürte ihr die Brust ein und erstickte jede Spontaneität. Vor den riesigen holografischen Bildschirmen, die eine ganze Wand einnahmen, fühlte sie sich zugleich mächtig und ohnmächtig – fähig, Armeen zu befehligen, doch erdrückt von ihrer eigenen Verantwortung. Karten, Diagramme, Analysen – ein digitales Chaos, in dem nur sie die rettende Ordnung erkennen konnte.
Die Daten, die Arya über die Basen der Xilarianer geliefert hatte, wirbelten über die Bildschirme wie ein elektronischer Sturm – hochauflösende Satellitenbilder, thermale Karten, topografische Scans, die sich überlagerten, bis sie zu einem undurchdringlichen Labyrinth aus Informationen wurden.
Ihre Finger, lang und elegant, doch von Kämpfen vernarbt und rau, flogen über das Kontrollpanel. Mit einer ruckartigen Bewegung vergrößerte sie den Maßstab, und ein gewaltiges Gebirge füllte den zentralen Bildschirm. An seinem Fuß, im Infrarotspektrum kaum sichtbar wie ein Gespenst – ein Eingang, als natürliche Höhle getarnt, vom Dunkel verschluckt.
„Schlau...“, murmelte sie, während ihre Finger auf der Konsole trommelten. „Typisch für sie. Immer einen Schritt voraus.“ Ihre Stimme war ein kratzendes Flüstern, verloren im gedämpften Summen der Server. Ihre Augen, grün wie Meereswellen, die an Felsen zerschellen, wogen jedes Detail ab.
Der benachbarte Bildschirm zeigte eine thermale Karte der Region, gefärbt in bedrohlichen Schattierungen von Rot und Orange. Thalia kniff die Augen zusammen, um die Wahrheit vom Schein zu trennen. Unter der Oberfläche, tief unten, flackerten Anomalien. Die Wärmesignaturen waren zu organisiert, zu geordnet, um das Werk blinder Natur zu sein. Als hätte jemand ein Labyrinth mit einem weißglühenden Eisenstab gezeichnet, dessen Hitze nun nach oben sickerte, zur gierig wartenden Oberfläche.
Noch ein Blick, noch eine Abstraktionsebene. Ein Diagramm der Untergrundebenen, rekonstruiert aus den Informationsfetzen, die Arya unter Lebensgefahr gesammelt hatte. Kilometerlange Tunnel, weite Hallen, ein Labyrinth des Unbekannten, in dem der Tod hinter jeder Ecke lauerte. Ein eisiger Griff umfasste ihre Brust, riss die Luft aus ihren Lungen.
„Was verbergen sie noch?“, flüsterte sie, einen bitteren Nachgeschmack auf der Zunge.
Ihr Blick blieb am Kommunikationsterminal hängen – einem kleinen, schwarzen Objekt, das sie herausforderte. Ihre Finger erstarrten über der Verbindungstaste. Sie musste mit Arya sprechen. Sie wollte sie nicht nur nach den nackten Daten fragen, sondern nach dem unheilvollen Gefühl, das sie begleitete – einem dumpfen Schmerz, einem Echo alter, unverheilter Wunden. Doch etwas hielt sie zurück. Mehr als die übliche Vorsicht, etwas Tieferes, Dunkleres. Das Gefühl einer drohenden Schatten, der am Rande ihres Blickfelds tanzte und sie zu verschlingen drohte.
Dennoch drückte sie die Taste und wartete, bis der verschlüsselte Kanal knackte und eine Verbindung herstellte. Das holografische Bild Aryas erschien über der Konsole, tauchte den Raum in ein gespenstisches Blaulicht, das die Schatten unter ihren Augen betonte. Thalia sah sofort die Erschöpfung in den Zügen ihrer Freundin, die diese mühsam verbarg. Ihre Augen waren eingefallen, ihre Haut pergamentbleich. An den Mundwinkeln zitterten feine Fältchen, verrieten die Müdigkeit, die sie zu verbergen suchte. Doch in ihren Pupillen brannte ein seltsames Feuer, etwas zwischen schmerzhaftem Vergnügen und Erleichterung.
„Ich sehe, du bist erschöpft. Die Mission war erfolgreich, nehme ich an?“, fragte Thalia und bemühte sich um einen neutralen Ton, doch ihr Herz schlug schneller. Sie wollte die Antwort hören, fürchtete sie aber, weil sie wusste, die Emotionen würden wie ein Bumerang zu Arya zurückkehren.
Arya nickte langsam.
„Ja.“ Sie strich sich langsam durchs Haar, als wolle sie aufdringliche Erinnerungen vertreiben. „Wir sind in den militärischen Teil der Basis in Australien eingedrungen. Es war...“ Sie schluckte schwer, ihr Blick verschleierte sich kurz. „...grauenhaft.“
Thalia lehnte sich in ihrem Stuhl zurück, ließ die Lehne einen Teil der Anspannung aufnehmen.
„Erzähl mir“, forderte sie sie auf.
Arya holte tief Luft.
„Wo soll ich anfangen...“ Ihr Blick irrte, fixierte einen Punkt jenseits der Wände des Kontrollraums. Ein leichtes Zittern durchlief ihren Körper. „Der äußere Perimeter war...“ Sie machte eine kurze Pause, als suche sie nach den richtigen Worten. „...wie ein verrückter Hühnerhof, voller rasender Roboterhühner auf Steroiden. Sie patrouillierten wahllos, ohne Logik, ohne Sinn. Reines Glücksspiel.“ Sie ballte die Fäuste, bis die Knöchel weiß wurden. „Glück war unser einziger Verbündeter. Aber wir haben nicht alles erkundet.“
Während sie sprach, begannen die Hologramme um Thalia zu flackern, zeugen zerrissene Aufnahmen der Mission – blitzschnelle Bewegungen, Explosionen, gedämpftes Rotlicht, das über kalte Metallflächen tanzte, blutige Schatten, verzerrte Gesichter, Schreie, von Detonationen übertönt. Ihre Hände arbeiteten schnell, extrahierten brauchbare Informationen aus dem Chaos.
„Dann kamen die automatischen Waffensysteme. Lasertürme, in Wänden versteckt, Drohnen, die auf Hitze, auf Geräusche reagierten. Paranoide Hölle“, fuhr Arya fort. In ihrer Stimme lag eine kaum merkliche Bitterkeit.
Neue rote Punkte erschienen auf dem Diagramm, markierten die Positionen der Waffensysteme wie unheilvolle Sternbilder des Todes. A12 fügte weitere Anmerkungen hinzu, skizzierte wahrscheinliche Schussbahnen und tote Zonen, verwandelte die holografische Karte in ein komplexes Netz aus Bedrohungen.
„Und das Wichtigste...“ Arya zögerte, als kämpfte sie mit einem inneren Konflikt. Sie runzelte leicht die Stirn, biss sich auf die Unterlippe. „Wir nutzten Informationen, die von Vril'tos bereitgestellt wurden.“
Der Name hing wie ein Fluch in der Luft. Thalia notierte ihn mental, unterzog ihn einer gnadenlosen Analyse.
„Vril'tos' Zugangscodes... sie haben das System getäuscht. Der Xilarianer erwies sich als nützlich. Sein Wissen über xilarianische Protokolle ersparte uns Stunden, die wir nicht hatten.“
Thalia nickte, notierte sich den potenziellen Nutzen von Vril'tos für künftige Missionen. Lohnte sich das Risiko? Konnte man diesem Xilarianer trauen? Er war ein Gefangener, gefangen in ebendieser Basis. Nein, nicht im militärischen Teil, von dessen Existenz sie bis vor Kurzem nichts gewusst hatten. Warum hatte Arya beschlossen, ihm zu vertrauen? Zweifel häuften sich in ihrem Bewusstsein. Selbst wenn sie Vril'tos nicht vollends vertraute, konnte sie nicht leugnen, dass seine Informationen ihnen wertvolle Zeit geschenkt hatten.
„Inzwischen“, fuhr Arya fort, „hat Darren sich mit dem Kommunikationsnetz der Xilarianer beschäftigt. Er musste schnell sein, denn...“
„Das System begann, sich anzupassen“, vollendete Thalia. Rote Linien breiteten sich über das Basisschema aus wie Krebszellen, versuchten, ihren Zugang zu blockieren, sie zu isolieren, zu vernichten. Thalia beugte sich vor, analysierte die Bewegung der Schutzprotokolle, versuchte ihren nächsten Zug vorherzusehen. „Die KI der Basis war anpassungsfähiger als angenommen. Sie schloss eine Tür nach der anderen, versuchte uns zu isolieren.“
„Genau. Aber Darren konnte die Verbindung aufrechterhalten, oder?“
Arya nickte.
„Darren ist geboren, um xilarianische Netze zu hacken. Er nutzt die Quantenmatrix, um einen stabilen Tunnel zwischen Vril'tos' Implantat und dem Hauptsystem zu schaffen. So blieben wir trotz allem verbunden.“
Thalia überflog die Daten zu den Schutzprotokollen auf ihrem Tablet, bewertete die Bedrohung.
„Stimmt. Sebastian hat recht. Wir müssen zuschlagen, bevor sie ihre Verteidigung verstärken“, schloss sie und blickte wieder zu Arya. „Wie viel Zeit haben wir deiner Meinung nach, bevor ihre Systeme sich vollständig an unsere Methoden anpassen?“
Arya seufzte.
„Wenn sie in Kontakt stehen... Höchstens eine Woche, bis sie undurchdringlich sind.“
Eine Woche. Die Zeit schmolz dahin. Ihre Finger zuckten nervös am Rand der Konsole. Sie drehte sich zum Konferenztisch um, der mit Berichten und holografischen Projektionen übersät war. Sie brauchte einen Plan, der die Chancen zu ihren Gunsten wendete. Arya hatte recht, ein einseitiger Angriff würde nicht funktionieren.
„Ich muss nachdenken“, flüsterte sie. Sie konnte sich keinen Fehler leisten. Nicht diesmal.
Thalia stand auf und begann vor den holografischen Bildschirmen auf und ab zu gehen.
„Arya, was haben wir noch? Irgendwas über die anderen Basen?“
„Wir haben fünf weitere potenzielle Standorte identifiziert.“ Arya markierte die Punkte auf der Karte mit schnellen Handbewegungen. „Zwei in Südamerika, einen in Afrika, einen in Asien und...“ Sie zögerte, bevor sie fortfuhr, „...einen, vielleicht kleineren, in Nordamerika. Zu nah an der Heimat.“
Thalia presste die Lippen zusammen, ihr Blick glitt über die Karte, verfolgte unsichtbare Linien zwischen den Punkten. Ihre Finger trommelten ungleichmäßig auf den Tischrand.
„Siehst du es?“, flüsterte sie mehr zu sich selbst. „Es ist kein Zufall. Sie bilden ein Pentagramm. Ein uraltes Symbol der Macht.“ Ihre Augen blitzten auf. „Also so wollen sie spielen. Gut. Wir kontern mit ihren eigenen Waffen. Divisionstaktik. Wir verteilen unsere Kräfte. Greifen gleichzeitig an. Wenn sie ein Ritual wollen, geben wir ihnen eins.“
Arya schien überrascht.
„Thalia, das ist Selbstmord. Wenn bei einem der Standorte etwas schiefgeht...“
„Ich weiß“, unterbrach Thalia sie. „Genau deshalb haben wir keine Wahl. Wenn wir nur eine Basis angreifen, aktivieren sich die anderen, und wir verlieren den Schwung, den wir aufgebaut haben. Wir müssen schnell und hart zuschlagen, bevor sie sich sammeln können.“
Arya schwieg einen Moment.
„Vielleicht ist es zu riskant. Du könntest die Basen isolieren und eine nach der anderen angreifen. Denk nur nach, überstürze nichts.“
„Zeit ist ein Luxus, den sich die Erde nicht leisten kann.“ Thalia strich sich eine widerspenstige Haarsträhne aus der Stirn, eine Geste, die mehr Ungeduld verriet, als sie zeigen wollte. „Ich fange sofort an.“ Sie aktivierte das Kommunikationsprotokoll mit einer schnellen Berührung. „Ist Darren verfügbar? Ich brauche den besten Hacker der GMA für das, was kommt.“
„Nein.“ Arya wich Thalias Blick aus, ihr Finger malte nervös unsichtbare Kreise auf den Rand der holografischen Konsole. „Er ist...“ Sie verstummte, wog jedes Wort ab. Als sie wieder auf den Bildschirm blickte, pulsierte ihre Iris in sattem Violett. „Du kennst die Regeln, Thalia. Manche Operationen bleiben selbst für dich im Schatten.“
Thalia kniff die Augen zusammen.
Was verbirgt Arya? Was ist das für eine Aufgabe, die sie nicht teilen kann? Ist dieses Geheimnis der Grund für die Veränderung in ihrem Verhalten?
„Und Vril'tos? Kann er uns zusätzliche Informationen über die Protokolle und dieses Implantat liefern, von dem ich in deinem Bericht gelesen habe?“
Arya wirkte unbehaglich.
„Es tut mir leid. Aber ich kann dich nicht mit ihm in Verbindung setzen. Ich werde Darren bitten, ein Team zu empfehlen, das an der Quantenmatrix arbeitet.“
„Verstanden.“ Thalia notierte etwas auf ihrem Tablet, während sie Aryas Blick auswich. „Ich werde sehen, was Sebastian anbieten kann.“ Sie verstummte, bevor sie mit gedämpfter Stimme hinzufügte: „Die GMA hat bereits alle Karten auf den Tisch gelegt. Hoffen wir, dass es ausreicht.“
Als Arya die Verbindung beenden wollte, fügte Thalia hinzu und versuchte, ihren Ton zu mildern:
„Und Arya... sei vorsichtig. Ich weiß, dass du von der letzten Operation erschöpft bist oder von dem, was... du dort mit Darren machst, aber wir werden dich heil brauchen.“
Arya lächelte.
„Mach dir keine Sorgen um mich. Ich werde es schaffen. Aber danach, wenn alles vorbei ist, werde ich mich für mindestens eine Woche in eine Stasiskammer legen, um mich zu regenerieren.“
„Die Idee ist gar nicht schlecht.“ Thalia lächelte und beendete die Verbindung.
Das Hologramm erlosch, und Thalia blieb allein im Kontrollzentrum zurück, umgeben von den gespenstischen Reflexionen der bevorstehenden Militäroperationen. Das Gewicht der bevorstehenden Aufgabe lastete auf ihren Schultern. Es gab keine Zeit für Zögern, keine Zeit für Zweifel.
Mit einer fließenden Handbewegung aktivierte Thalia die Schnittstelle zu A12. Die künstliche Intelligenz erwachte vor ihr und strahlte das vertraute bläuliche Leuchten aus.
„A12, starte Analyseprotokoll Alpha-Sieben. Priorität: Xilarianische Energiesignaturen, vergleichende Analyse mit der Datenbank aus Australien.“
„Initialisierung von Analyseprotokoll Alpha-Sieben. Die Prioritätsdaten wurden in die Warteschlange gestellt. Vorläufige Schätzung: Filterung ungültiger Signale – 37 Minuten, 12 Sekunden bei der aktuellen freien Kapazität.“
Die holographische Weltkarte vor ihr füllte sich allmählich mit blinkenden Punkten. Thalia studierte sie aufmerksam, analysierte jeden Punkt und bewertete die wahrscheinlichen Verteidigungen und Infiltrationsansätze.
„Zeig mir die thermischen Anomalien um diesen Punkt hier“, wies sie auf einen Ort in einem schneebedeckten Berggebiet. „Die Energiemuster kommen mir bekannt vor.“
Während A12 ihre Anfrage bearbeitete, rieb sich Thalia müde die Augen.
„Diese Muster...“ Thalia kniff die Augen zusammen, während sie das Bild zwischen ihren Fingern verschob. „Hast du so etwas schon einmal gesehen, A12?“ Sie zeigte auf den pulsierenden roten Punkt. „Filtere nach Quantenfluktuationen. Das australische Muster. Irgendetwas passt hier nicht zusammen.“
„Wird ausgeführt. Drei Standorte mit ähnlichen Merkmalen wurden entdeckt. Geologische Daten werden zur Bestätigung analysiert.“
Während A12 arbeitete, starrte Thalia auf einen besonders interessanten Punkt – eine verlassene Mine tief in den Bergen.
„Diese Mine ist verdächtig. Die Energieflüsse ähneln den alten lemurianischen Verteidigungssystemen. Haben die Xilarianer etwa unsere alten Technologien kopiert?“
Sie markierte den Standort der Mine auf der holographischen Karte und setzte ihn an die erste Stelle der Aufgabenliste.
Thalia rief ein Hologramm auf, das die Armada zeigte, die jenseits der Saturnumlaufbahn über der Erde schwebte.
„Wie viel Zeit bleibt uns, A12?“
„Sieben Tage.“
Thalia nickte düster.
Sieben Tage. Nur sieben Tage, um automatische unterirdische Militärbasen des xilarianischen Imperiums vorzubereiten, zu lokalisieren und zu erobern. Großartig, dachte sie mit einem ironischen Lächeln.
„A12, wir beginnen mit der Basis in den Bergen. Wenn wir sie schnell einnehmen können, erhalten wir möglicherweise Informationen, die uns gegen die anderen helfen.“
Thalia starrte auf die holographischen Projektionen, die den Kommandoraum des Nestes füllten.
„In seinem Bericht behauptet Vril'tos, dass die Basen einheitlich sind, richtig?“
„Ja.“
„Hast du die Daten der australischen Basis analysiert?“
„Jedes Detail, jeder Riss, jeder Schatten.“
„Simuliere das anfängliche Eindringen in die Bergbasis unter Verwendung der Daten aus Australien.“
Das Hologramm erwachte zum Leben.
„Erhöhe die Verteidigungssysteme, zeig mir, was uns erwartet.“
Rote Linien erschienen auf der Karte und zeigten Lasertürme, Raketenwerfer und Drohnen.
„A12, simuliere ein Szenario mit EMP-Geräten zur Neutralisierung der externen Sensoren. Ich möchte sehen, was passiert.“
Die KI verarbeitete den Befehl schnell.
„Gut, aber das reicht nicht für die internen Systeme. Wir brauchen eine Möglichkeit, die KI der Basis zu täuschen, wie sie es in Australien getan haben. Verbinde mich mit Darren.“
Nach ein paar Sekunden erschien das holographische Bild des Vampir-Hackers vor ihr.
„Ich brauche dich. Entwirf für mich eine Quantenmatrix wie die in Australien, damit ich mich mit Vril'tos' Implantat verbinden kann, selbst wenn die KI versucht, uns zu isolieren.“
Darren lächelte, seine Zähne blitzten wie Klingen. Seine Augen funkelten vor Herausforderung.
„Für dich, Süße, werde ich Wunder vollbringen.“ Seine Stimme zitterte mit einem räuberischen Unterton. „Ein bis zwei Stunden? Bitte. Die Quantenmatrix ist in meinem Blut. Gib mir einen richtigen Kaffee, nicht diesen Mist, den ich hier trinke, und ich lasse die Codes in dreißig Minuten tanzen.“
Thalia nickte leicht und lächelte.
„Großartig. Schick mir die Spezifikationen, sobald du sie hast. Wir müssen das Gerät in den Angriffsplan integrieren, wenn wir eine Chance haben wollen.“
Thalia wandte sich wieder der holographischen Karte zu.
„A12, simuliere ein Szenario mit Darrens Quantenmatrix, um die Verbindung zu Vril'tos' Implantat aufrechtzuerhalten. Was sind die Risiken?“
„Berechnetes Risiko: 78,3%. Ich empfehle diese Vorgehensweise nicht. Vril'tos' neuronale Prägung zeigt ein instabiles Muster, die Parameter weichen von den zulässigen Normen ab.“
„Vorschläge?“
„Ich kann eine ähnliche Matrix simulieren und sie auf eine der derzeit nicht beschäftigten KIs anwenden. Es wäre sicherer und effektiver.“
„Was meinst du?“
„Aqua Loria. Die Basis im Marianengraben. Dort ist die zentrale KI bereits aktiviert.“
Thalia schloss für einen Moment die Augen. Timothy. Vor einem Monat hatte er das Unmögliche geschafft – Aqua Loria, die geheime Unterwasserbasis der Lemurianer, zu öffnen.
Sie erinnerte sich an die Aufregung in seiner Stimme, als er es ihr mitteilte.
Jetzt, einen Monat später, kehrte Aqua Loria zur vollen Funktionalität zurück. Sie hatten auch fünf voll funktionsfähige KIs gefunden. Schwächer als A12, aber ausreichend.
„Wird es funktionieren?“
„Viel besser als Vril'tos, und die ausgewählte KI wird unter meiner Aufsicht stehen. Ich brauche nur die Matrix, die Darren entwerfen wird.“
„Großartig. Simuliere es dann. Zeig mir, wie es unter realen Bedingungen funktionieren wird.“
Die neue Simulation zeigte, wie das Team tiefer in die Basis eindrang und viele der internen Verteidigungen umging, indem es eine KI aus Aqua Loria als Proxy verwendete.
Thalia lächelte. Der Plan begann, Gestalt anzunehmen.
„Wir werden spezielle Ausrüstung brauchen...“